Aus dem verein

Zählung von Fledermäusen im Winterquartier

Fransenfledermäuse Zitadelle Spandau
Fransenfledermäuse im Winterschlaf

Die Zählung der winterschlafenden Fledermäuse der Saison 2025 / 2026 haben wir zwischen Weihnachten und Silvester in der Schorfheide bei Berlin begonnen. Seitdem haben wir in 54 Quartieren knapp 3000 Fledermäuse gefunden.

Die Fledermäuse auf der Zitadelle werden wie die meisten der rund 45 Quartiere in Berlin durch ein vom Senat von Berlin beauftragtes Gutachterbüro erfasst. Dies geschieht im Rahmen des Berliner Artenhilfsprogramms.

Bei den Zählungen auf unserer Festung begleiten wir unsere Kollegen und unterstützen mit unserer Ortskenntnis. Die hier erfassten Zahlen werden im Detail vom Senat später veröffentlicht.

Fledermäuse sind hochmobile Tiere, die oft sehr versteckt leben und häufig den Standort wechseln. Nur ein kleiner Teil der Sommerquartiere und Wochenstuben ist bekannt. In der Zeit des Winterschlafs halten sich die Tiere über einen längeren Zeitraum in den recht bekannten Winterquartieren auf. Dieser Zeitraum ist am besten geeignet, Zahlen zu erfassen und langjährig miteinander zu vergleichen. Damit gewinnen wir einen Einblick in den Erhaltungszustand der Populationen.

Wir wollen wissen, wie viele Fledermäuse es in Berlin bzw. in den Untersuchungsregionen es gibt. Das lässt sich allerdings nicht abschließend beantworten.

Es gibt sicherlich zahlreiche kleinere Keller, Bunker oder Höhlen, die nicht als Schlafplätze bekannt sind. Diese Fledermäuse werden nicht erfasst. Auch in den bekannten Quartieren, wie hier auf der Zitadelle, gibt es gut versteckte Hohlräume, Fugen und Spalten, die nicht ausreichend einsehbar sind, so dass viele Tiere unentdeckt bleiben.

Zur Einschätzung der Bestandsentwicklung werden die jährlich gezählten Tiere über lange Zeiträume miteinander verglichen. Dabei stellen wir seit vielen Jahren fest, dass die Zahlen teilweise deutlich schwanken können und nur ein sehr langjähriger Vergleich Aussagen zu Tendenzen ermöglicht. Eine große Schwankungsbreite ist zunächst also kein Grund zur Sorge.

Hier spielt es beispielsweise eine Rolle, ob wir zuvor einen geburtenstarken Sommer hatten, ob es viele einjährige Fledermäuse ins Winterquartier geschafft haben.

Zusätzlich ist der Verlauf des Winters ausschlaggebend. Ist es nicht sehr kalt, verstecken sich manche Arten sogar außerhalb des eigentlichen Winterschlafplatzes in Zwischenquartieren. Manche ziehen sich bei großer Kälte so weit in Spalten zurück, dass sie weniger gut zu sehen sind als in einem moderaten Winter.

Soziale Hintergründe zum Quartierswechsel der eigentlich überwiegend recht standorttreuen Fledermäuse gilt es ebenfalls weiter zu erforschen.

Bei der Frage, ob es „den Fledermäusen“ gut geht, ob die Bestände steigen oder sinken, wird häufig übersehen, dass die in Deutschland vorkommenden 25 Arten teils doch recht unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum haben und durch verschiedene Umwelteinflüsse gefährdet sind. Wir haben also darauf zu achten, welche Fledermausart im Aufwärts- oder Abwärtstrend ist.

Auf der Zitadelle interessiert es uns, ob lichtempfindliche Arten, vor allem waldbewohnende Fledermäuse, weiterhin den Weg zur Zitadelle schaffen. Zu viel Licht kann Zugrouten erheblich beeinträchtigen. Hier spielt die Wege- und Grundstücksbeleuchtung eine große Rolle.

Hier ein paar Ergebnisse:

Der Gesamtbestand der Fledermäuse auf der Zitadelle befindet sich in den letzten 10 – 20 Jahren auf einem Aufwärtstrend. In den Zählungen 2023 und 2025 konnten sogar über 1000 Fledermäuse gefunden werden. In den Jahren 2024 und 2026 waren es knapp 700 Tiere.  Davor waren die Bestände meist deutlich niedriger.

Leider müssen wir besonders empfindliche Arten wie die Bechsteinfledermaus oder die Langohren hier auf unserer Festung eher im Abwärtstrend sehen.

Auch das Große Mausohr scheint in Berlin diesen Winter eher schwache Zahlen zu zeigen.

 

 In der Region Rüdersdorf Hennickendorf hatten wir ohne die Zahlen der Bergwerksstollen in den Tunneln und Industrieruinen zuletzt die folgende Entwicklung:

2023:  787 Fledermäuse

2024:  1001 Fledermäuse

2025:  863 Fledermäuse

2026:  1075 Fledermäuse

 

Die hier gezeigten Einblicke beziehen sich auf Fledermäuse in meist unterirdischen Höhlen und Strukturen.

kuschelnde Wasserfledermäuse im Winterchlaf

Fledermäuse wie der Große Abendsegler, die oftmals in Baumhöhlen oder entsprechenden Kästen überwintern, werden bei uns vor Beginn der Tiefschlafphase oder erst am Ende des Winterschlafs gezählt. Im Gegensatz zu einer Höhle, die man ruhig und schonend begehen kann, müssen Fledermauskästen zur Kontrolle geöffnet werden. Diese Störung unterlassen wir in den kältesten Wintertagen um den Fledermäusen unnötigen Energieverbrauch zu ersparen.

Große Abendsegler

 

 

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